Was ist nach einer Erbschaft zu tun?

Sie haben gerade erfahren, dass Sie in Deutschland geerbt haben. Vielleicht hat Ihnen ein deutsches Gericht mitgeteilt, dass Sie aufgrund eines Testaments Erbe sind, oder dass Sie möglicherweise Erbe nach dem deutschen Erbrecht sind. Was sollten Sie nun tun?

Nach dem deutschen Erbrecht geht das Vermögen eines Erblassers zum Zeitpunkt seines Todes direkt auf seine Erben über. Dies gilt auch für die Verbindlichkeiten des Erblassers, d. h. Sie erben nicht nur das Vermögen, sondern auch die Schulden in Deutschland. Als Erbberechtigter können Sie das Erbe entweder (ausdrücklich oder stillschweigend) annehmen oder vollständig ausschlagen. Sollten sie das Erbe annehmen, übernehmen Sie nicht nur alle damit verbundenen Rechte, sondern auch alle Schulden und Pflichten. So kann es passieren, dass Sie plötzlich persönlich für die Schulden eines Erblassers haften, wenn Sie nichts tun.

Es ist möglich, eine Erbschaft in Deutschland auszuschlagen, aber dazu müssen Sie schnell handeln, um verschiedene Fristen einzuhalten, die teilweise nur sechs Wochen betragen.  Wenn Sie in den Vereinigten Staaten leben, haben Sie sechs Monate Zeit, um eine Erbschaft in Deutschland auszuschlagen. Auch wenn die Annahme einer Erbschaft nicht ausdrücklich erklärt werden muss, müssen Sie eine Erbschaft ausdrücklich ausschlagen, um die damit verbundenen Verpflichtungen zu vermeiden.

Oft reicht die Zeit nicht aus, um sich ein vollständiges Bild vom Wert des Nachlasses zu machen, den Sie erben werden, dennoch ist es wichtig, dass Sie die Fristen beachten. In der Regel wird kein Nachlassverwalter ernannt, und es findet kein umfangreiches Nachlassverfahren statt. Nachlässe werden in Deutschland nur selten von einem Gericht überwacht, und da das deutsche Recht keine lebenden Treuhandgesellschaften vorsieht, gibt es keinen Treuhänder, der das Eigentum am Vermögen des Erblassers in Deutschland übernimmt.

Um alles noch komplizierter zu machen, gelten bestimmte Handlungen nach deutschem Recht als Annahme der Erbschaft, z. B. die Beantragung eines Erbscheins, der in Deutschland erforderlich ist, für die Übertragung des Eigentums an geerbtem Vermögen, oder für die Abwicklung von Bankgeschäften und Forderungen.

Wenn Sie eine Erbschaft aus Deutschland annehmen, dann fallen Erbschaftssteuern in Deutschland an, und Sie müssen dort eine Erbschaftssteuererklärung abgeben, bevor Sie Ihr geerbtes Vermögen erhalten können. Deutschland besteuert jeden Erben und Begünstigten einzeln, nicht den Nachlass selbst. Die Steuersätze und Freibeträge richten sich nach dem Verwandtschaftsgrad und dem geerbten Betrag. In den Vereinigten Staaten gibt es keine Erbschaftssteuer auf Bundesebene, jedoch können Sie abhängig von Ihrem Wohnort in den Vereinigten Staaten nach Landesrecht erbschaftssteuerpflichtig sein.